Unsere Zeit in Windhoek

Obwohl es eine Überwindung war, direkt einen Tag nach dem Nachtflug um 7.00 Uhr aufzustehen, um schon um 8.00 Uhr in der Kirche sein zu können, wollten wir die Einladung zum Gottesdienst von dem Priester nicht ablehnen.
Nach der Messe waren wir auch alle der Meinung, dass es sich auf jeden Fall gelohnt hat:
Die Struktur der Messe ist exakt die Gleiche, wie in Deutschland. Neu für mich waren jedoch die eindrucksvollen Gesänge und Tanzeinlagen. Da kam tatsächlich eine richtig gute Stimmung auf und das schon an einem Sonntagmorgen.
Die Messe wurde auf Englisch gehalten, auch das war ein bisschen ungewohnt, da ich die Antwortgesänge und Gebete aus Deutschland oftmals nur auf Latein oder Deutsch kenne, aber daran wird man sich über das Jahr hinweg bestimmt noch gewöhnen.

Sonst lebten wir hier ein sehr ruhiges Leben in Windhoek: Die Menschen in Namibia nehmen es nicht so genau mit der Zeit. So waren wir eigentlich immer die Einzigen, die pünktlich zu den Essenszeiten da waren, während die Anderen immer erst eine halbe Stunde später kamen.
Eine Ausnahme gibt es jedoch: Zu den Gottesdiensten bemühten sich auch die Einheimischen, richtig pünktlich zu kommen.

Als wir am ersten Tag auf den Berg in der Nähe unserer Unterkunft gewandert sind, haben wir uns das Ziel gesetzt, jeden Tag einmal diesen Berg zu besteigen. Dies haben wir dann auch wirklich über die Woche hinweg durchgezogen und gingen nun schon 7 Mal den Wanderweg zu verschiedenen Tageszeiten.

Am Dienstag brachte uns unser Fahrer Alex, den wir bereits von der Fahrt vom Flughafen kannten, in die Innenstadt von Windhoek. Dort trafen wir uns mit Sister Celestine, um ihr alle Unterlagen zu geben, die noch benötigt wurden, um das Visum endgültig auszustellen.
Danach hatten wir den Tag über Zeit, die Stadt zu erkunden, welche auf den ersten Blick doch sehr europäisch wirkt: Es gibt eine riesige Mall mit Rolltreppen und vielen Geschäften, die zum Beispiel Kleidung von Marken verkaufen, die wir auch alle in Deutschland gern tragen.

Dazu gibt es viele Hochhäuser, in denen meistens die Banken ihre Hauptsitze haben und ein großes Unabhängigkeits-Gedenkmuseum, welches übrigens von einem nordkoreanischen Bauunternehmen errichtet wurde.
Auf der Dachterrasse vom Museum hat man eine tolle Aussicht auf die gesamte Stadt. Bei einem Getränk haben wir dort auch zufällig Marlene getroffen, die wie wir ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen kommt und für 6 Wochen auf einer Farm in Namibia gearbeitet hat. Während wir noch ganz am Anfang unseres Jahres stehen, war es für sie der letzte Tag in Namibia und so konnte sie uns eine ganze Reihe Tipps für unsere weitere Reise geben.

Wenn wir durch die Straßen gingen, wurden wir eigentlich ständig von vorbeifahrenden Taxen angehupt oder von Menschen angesprochen, die uns etwas verkaufen oder Geld von uns haben wollten. Am Anfang fällt es einem schon schwer, dies einfach zu ignorieren.

Auf dem Weg zurück meinte unser Fahrer Alex, dass er uns noch einmal „das richtige Windhoek“ zeigen möchte: So sind wir nicht über die asphaltierte Straße zu unserer Unterkunft gefahren, sondern bemerkten, dass wir über Straßen fuhren, die immer schlechter wurden und an Häusern vorbeikamen, die einen sehr ärmlichen Eindruck machten.

Irgendwann hielt Alex an, wir stiegen aus und besuchten einen traditionellen Markt. Auf den Schildern vor dem Eingang standen Dinge wie „No Guns“ oder „No Drugs“, was uns schon erstmal abgeschreckt hat. Auf dem Markt wurde dann aber sehr leckeres Fleisch und ein Salat angeboten. Beides wurde dort zubereitet und hat sehr köstlich geschmeckt. Da zu diesen einheimischen Märkten wohl nur ganz selten Touristen gelangen, kamen vermehrt kleine Kinder auf uns zu, die uns nach Geld gefragt haben. Hier fällt es einem dann doch besonders schwer „Nein“ zu sagen.

Danach ging es mit dem Auto weiter in Gebiete, zu denen uns unser Fahrer Alex erzählte, dass wir hier lieber nicht aussteigen sollten. Es waren Bilder, die ich bisher nur aus dem Erdkundebuch kannte: Tausende kleine Hütten aus Wellblech ohne Wasser und ohne Strom.
Bilder, die wohl den meisten Safari-Touristen nicht zu Auge kommen. Man merkte, wie wichtig es Alex war, der in der Nähe von diesen Gegenden wohnt, dass wir einmal diese Teile der Stadt sehen, um ein Bild dafür zubekommen, wie viel Armut es immer noch in der Stadt und dem Land gibt.
Natürlich waren wir schockiert von dem, was wir dort gesehen haben, waren aber trotzdem sehr dankbar, dass uns diese Teile der Stadt nicht verwehrt geblieben sind.

Auch wenn wir bis jetzt noch keine richtige Aufgabe hatten und die Tage in unserer Unterkunft auch manchmal vielleicht etwas eintönig waren, waren wir doch sehr froh über die Zeit in Windhoek, da wir uns ganz in Ruhe an das neue Land, die Temperaturen, die Landschaft, das Essen und was noch so dazu gehört, gewöhnen konnten.

Nun fühlen wir uns bereit für unseren Einsatz im Norden des Landes und können es kaum erwarten, bis unsere Busfahrt dorthin losgeht!

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